PowerToIdea

Gründerszene schreibt: „Die Energiewende braucht dringend neue Geschäftsmodelle und Technologien. Und die bekommt sie jetzt: Das Accelerator Camp POWER TO IDEA bietet neun vielversprechenden Startups die Möglichkeit, gemeinsam mit regionalen Unternehmen und Marktexperten neue Ansätze für eine regionale Versorgung mit erneuerbaren Energien zu entwickeln“ – und die Startups werden in dem Artikel gleich mit vorgestellt.

 

 

Eine Frage, die uns häufig begegnet: Warum eigentlich Anhalt? Warum hat sich genau diese Region entschlossen, Energieavantgarde zu sein? Eine Antwort, die wir und andere dann geben: es liegt in der Geschichte der Region.

Schon zur Begrüßung hat Oberbürgermeister Peter Kuras die Historie der Region Anhalt ganz weit aufgespannt: seine Rede führte von Luthers theologischer Avantgarde vor 500 Jahren, über die Avantgarde der Aufklärung, die sich im Dessau-Wörlitzer Gartenreich widerspiegelt, und die Avantgarde, die das Bauhaus und Hugo Junkers verkörpern, bis hin zur Energieavantgarde und den Power to Idea Gründerteams.

 

Oberbürgermeister Kuras spricht zu den Teams (Foto: © Benjamin Pritzkuleit)

 

Am Folgetag führt Vorstandsvorsitzender Thies Schröder die Teams durch die Region und erläutert drei Erschütterungen der neuen Geschichte, die Anhalt ein weiteres Mal motivieren, Avantgarde zu sein: die Wende, die Bergbaufolgen und das große Versprechen der erneuerbaren Energien.

Gerade das Beispiel Ferropolis zeigt, was in den “anarchischen” Nachwendezeiten möglich war: so wurden die Mittel für die Verschrottung der Bagger auf Initiative einer untypischen Koalition von ehemaligen Bergleuten und Studierenden der Bauhausuniversität schlicht umgewidmet, um die Bagger zu erhalten. So war die Saat gesät für das heutige Festivalgelände Ferropolis.

 

Gruppenfoto vor einem Kran in Ferropolis (Foto: © Johannes Erb)

 

Auch in Bitterfeld und an der Goitzsche ist zu sehen, wie Tagebau heute als Naherholungsgebiet genutzt werden kann – und dieser Wandel der Stadt gleich ein ganz neues Selbstverständnis gibt. Aber der Übergang von den fossilen zu den erneuerbaren Energien war nicht immer reibungslos: am QCells Gelände erzählt Thies Schröder, wie die Hoffnungen auf das Solar Valley auch einige Enttäuschungen mit sich brachten, als der große Boom dann in Asien und nicht in Anhalt stattfand.

Am Ende des Tages sind wir allerdings doch wieder bei Luther: in Wittenberg vor der Tür der Schlosskirche denken wir an den Beginn der Avantgarde in Anhalt und die Tradition der Störer.

 

Thies Schröder erklärt den Tesvolt-Speicher-Container in Wittenberg (Foto: © Johannes Erb)

…und was heißt das überhaupt: regionale Energie?

Im Moment ist es ja so: Wo der Strom produziert wird, den wir in Dessau und Anhalt oder sonstwo in Deutschland verbraucht wird, spielt keine Rolle. Ohne dass dies für den Verbraucher nachvollziehbar ist, wird die Elektrizität mit Hilfe großer Trassen hin- und hergeschoben. Dabei wird viel Energie verschwendet – zum Beispiel, wenn Strommengen, die nicht transportiert werden können, einfach abgeschaltet werden. Volkswirtschaftlich sinnvoller wäre es, diese vor Ort, also regional, zu nutzen. Energie, die in Dessau für Strom, Wärme und Verkehr gebraucht wird, könnte aus der Region Anhalt kommen – vorausgesetzt, Verbraucher und Erzeuger stimmen sich aufeinander ab. Das funktioniert natürlich am besten, wenn die Anhaltiner*innen sich an der Energieversorgung beteiligen. Aus ehemaligen Konsumenten werden Prosumenten.

Damit dies möglich wird, braucht es neue Lösungen. Sie gilt es nicht nur am Reißbrett auszudenken, sondern in der Wirklichkeit auszuprobieren. Dafür hat die Energieavantgarde Anhalt das Reallabor Anhalt geschaffen, in dem in einem Kreislauf des Ausdenkens, Erprobens und Weiterentwickelns herausgefunden werden soll, wie man regionale Energie in Anhalt Realität werden lassen kann. Das POWER TO IDEA Accelerator Summer Camp ist ein Baustein dieses Kreislaufs:

Welche Rolle spielt POWER TO IDEA dabei? Bei POWER TO IDEA arbeiten Startups genau an der Frage, wie man ganz neue Austauschmöglichkeiten von Energie schafft und sie in Geschäftsmodelle übersetzt. Die Startups fragen: Wie können alle Bürger*innen in Anhalt auch zu Energieerzeuger*innen werden und miteinander Energie so handeln, dass immer dann und dort genau so viel da ist, wie gebraucht wird? Digitalisierung ermöglicht dies grundsätzlich, die derzeitige Regulierung des Energiemarktes aber nicht. Deshalb ist POWER TO IDEA so disruptiv: Wir arbeiten an Möglichkeiten, Strom, Wärme und Mobilität so zu verknüpfen, dass Energie flexibel und regional zum Einsatz kommen kann. Passende Geschäftsmodelle zeigen auf, was möglich ist, und ebnen damit den Weg für notwendige politische Reformen. Das POWER TO IDEA Accelerator Summer Camp ist für die Energieavantgarde Anhalt daher der Test, ob kreatives Unternehmertum die Hemmnisse einer obsoleten Regulierung überwinden kann. Wir können auf die nächsten drei Wochen also gespannt sein!