Der Energieavantgarde Anhalt e. V. ist ein Bündnis aus engagierten Bürgern, Kommunen und Landkreisen, Unternehmen und Einrichtungen sowie regional und überregional tätigen Partnern und Institutionen, das in der Region Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg an einem zukunftsfähigen Umbau des Energiesystems vor Ort arbeitet.

Es liegt in der Tradition der Region, Avantgarde zu sein. Bereits in Zeiten der Reformation, Aufklärung und Moderne wurde wichtigen kulturellen Wandlungen für technische und wirtschaftliche Innovationen der Weg bereitet. Anfang des 21. Jahrhunderts, an der Schwelle zu einem postfossilen Zeitalter, startet mit der EAA die erste Region Deutschlands den Versuch, sich ohne staatliche Subventionen weitgehend selbst mit erneuerbarer Energie zu versorgen, die Energiewende aktiv und selbstbestimmt mitzugestalten, als Produzent*innen und Konsument*innen zu bewusster Prosument*innen zu werden.

Der Verein möchte, dass die Energie umweltfreundlich in der Region produziert und genutzt wird. Er will beweisen, dass lange Stromtrassen unnötig sind, wenn Strom, Wärme und Mobilität dabei zusammenwachsen. Umwelt und Kima werden so geschont, unnötige Kosten für den Verbraucher*innen vermieden. Die dabei angestrebte regionale Wertschöpfung soll zur lokalen Energiewende beitragen und allen Mitstreitern zugutekommen. Dafür notwendige technische, ökonomische und soziokulturelle Veränderungen gestalten Partner wie die Stadtwerke der Region, Unternehmen in der Branche der erneuerbaren Energien und viele Kommunen, darunter die Stadt Dessau-Roßlau, sowie der Landkreis Wittenberg gemeinsam. Mit der Entwicklung postfossiler Lebensstile, von Gestaltungsmustern und Raumstrukturen kann die Region erneut Avantgarde sein.

Die Idee zur Energieavantgarde Anhalt (EAA) ist auf Initiative der Stiftung Bauhaus Dessau gemeinsam mit der Ferropolis GmbH im Jahr 2012 entstanden. Schnell ist daraus ein Akteursbündnis geworden, deren Vorreiter im Januar 2015 den gleichnamigen Verein gegründet haben.

Handlungsfelder

Regionales Energiesystem

Etablierung eines Energiesystems zur nachfragegenauen Deckung des Energiebedarfs aus regenerativen Energien unter Maßgabe der Wirtschaftlichkeit.

Ziele

Verbesserung des Last-managements, Entwicklung von Organisationsmodellen, Nutzung über-sektoraler Synergieeffekte, Verschränkung mit Wärme und Mobilität

Maßnahmen

z.B. Berechnung Real-lastgänge, Regionale Merit Ordner, Visualisierung Marktplatz, Erfassung Flexibilitätsoptionen.

Hintergrund

Im Handlungsfeld ‘Regionales Energiesystem’ wurde im Dezember 2015 im Rahmen einer Werkstatt in der Landesvertretung Sachsen-Anhalt auf Einladung von Frau Dr. Zieschang, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Sachen-Anhalt, die Grundlage für die weitere Arbeit gelegt. Eine dort entstandene Arbeitsgruppe aus den Geschäftsführern und weiteren Vertretern der regionalen Energieversorger (DVV, Stadtwerke Köthen, Stadtwerke Bitterfeld-Wolfen und EnviaM) hat im Februar 2016 das weitere Vorgehen vorgeschlagen: Es soll im Sinne der Sektorkopplung komplementär zur bestehenden Regionalen Merit Order für den Stromsektor eine Berechnung der regionalen Wärmebedarfe und -angebote  geben. Damit sind zwei Sektoren einer integrierten Berechnung und Prognostik unterzogen, der Sektor Mobilität wird anschlußfähig vorbereitet. Auf dieser Grundlage wird der Energy Accelerator-Wettbewerb ausgeschrieben.

Zur Integration des dritten Sektors, des Sektors Mobilität, ist weitere Forschung notwendig.  Zwecks Unterstützung dieses Vorhabens fand im März 2016 ein Treffen mit Jochen Flasbarth, Staatssekretär im BMUB statt, der positiv auf unser Anliegen reagierte. Derzeit wird ein Förderantrag ausgearbeitet, um das Dreieck der Sektorkopplung im regionalen Energiesystem zu vervollständigen. Parallel werden Arbeiten des InnoZ zum Energie- und Mobilitätssystem der Stadtwerke und Verkehrsbetriebe Dessau in die regionale Bilanzierung und Steuerung integriert.

Das Umweltbundesamt UBA hat im Rahmen des Programms EVUplan (BMWi) ein Projekt zur Regionalisierung der Energiewende namens ‘Smart Grid Anhalt’ gestartet, das Mobilität einschließt. Die Energieavantgarde ist in diesem Projekt  Konsortialpartner und als Referenzregion (Reallabor) beteiligt, sodass Ergebnisse aus diesem Projekt auch in die sonstigen Arbeiten zur Mobilität einfließen können.

Innovation & Entwicklung

Gestaltung eines zukunftsoffenen Innovations- und Transformationsprozesses unter Integration sozialer, kultureller, raumbezogener Neuerungen.

Ziele

Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung von Zukunftstechno-logien, Integration und Informations-technologien der Energiewirtschaft, Verbindung von Energie- und Stoffströmen, Pfadabhängigkeiten reduzieren

Maßnahmen

z.B. Kooperation mit Forschungsinstituten, Entwicklung von energietechnischen und –wirtschaft-lichen  Prototypen.

Hintergrund

Das Reallabor der Energieavantgarde Anhalt wurde in der Forschungslandschaft sehr gut angenommen. Die begonnenen Kooperationen gehen vor allem auf die Vermittlung der zentralen Projektpartner WZB, Bauhaus Stiftung Dessau und RWE Stiftung zurück und decken die soziale, ästhetische und technische Dimension von Innovation ab.

Soziale Innovation: Das WZB hat nicht nur die geplante sozialwissenschaftliche Begleitforschung im November 2015 aufgenommen, sondern auch Kontakte zum Leibnizforschungsverbund Energiewende hergestellt, mit dem im Mai 2016 ein Workshop zum Thema Regionale Energieflächenpolitik/Raumordnung stattfinden wird. Das WZB ist zudem Gesellschafter des InnoZ, das neben mit der Unterstützung der Energieavantgarde derzeit eine Studie zur Transformation der Stadtwerke Dessau für die Siemens AG durchführt und ein neues Verkehrskonzept für die Stadt Dessau-Roßlau entwickelt.

Ästhetische Innovation: Die Stiftung Bauhaus Dessau hat in Kooperation mit der Energieavantgarde und der Regionalen Planungsgemeinschaft Anhalt einen Antrag zur sozialökologischen Forschung (SÖF, BMBF) unterstützt, der demnächst entschieden wird.

Technische Innovation: Im Forschungsprogramm Kopernikus (BMBF), dem größten Energieforschungsprojekt in der bundesdeutschen Geschichte, wird die Energieavantgarde Anhalt zusammen mit der RWE Stiftung und dem EAA-Partner ‘100 prozent erneuerbar stiftung’ beteiligt sein. Die Region Anhalt wird eines von drei bundesweiten Reallaboren innerhalb des Themenfeldes ‘Systemintegration’ sein. Die Energieavantgarde gehört dem Konsortium ENavi unter Leitung des IASS (Prof. Renn) an. Die RWE-Stiftung hat zudem den Kontakt zu Prof. Hendrik Send von der Hochschule Anhalt hergestellt, sodass mit der Hochschule Anhalt und der Stadt Dessau-Roßlau ein gemeinsamer Förderantrag im BMBF-Programm ‘Kommunen innovativ’ eingereicht wurde, mit dessen Hilfe die Möglichkeiten von crowd investing in der Region am praktischen Beispiel erprobt werden sollen. Über diese Kooperationen hinaus bearbeitet die Energieavantgarde zwei Projekte weiter, deren Beantragung vor der Gründung der Geschäftstselle lagen: Das Großprojekt WindNODE im Programm SINTEG (BMWi), an dem die Energieavantgarde Anhalt als Praxispartner beteiligt ist, wurde bewilligt. Das Projekt SMENOS (BMBF), an dem die Energieavantgarde schon länger beteiligt ist, tritt nun in seine nächste Phase ein. Die Kooperation mit dem Reiner Lemoine Institut (RLI) dient in beiden Projekten als Vorarbeit für die Berechnung des Regionalen Energiesystems.

Weitere Interessenten: Von Seiten der Wissenschaft (z.B. SÖF-Nachwuchsgruppen mit den Universitäten Magdeburg und Bayreuth), der Politik (z.B. die Stadt Emmen in den Niederlanden für ein gemeinsames EU-Projekt, das Amt für Wirtschaftsförderung Dessau-Roßlau für Energieeffizienznetzwerke für Gewerbegebiete und die Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Stadt Dessau-Roßlau für die MINT-Region) und weiteren Akteuren (z.B. LENA, SolarValley, Evang. Akademie Anhalt, Investitionsbank Sachsen-Anhalt, LEADER-Regionen (LAG)) wird immer wieder Interesse an Kooperationen mit der Energieavantgarde geäußert. Außerdem gilt die Energieavantgarde als Nachfolger integrierter Forschungs- und Transformationsprojekte vor Ort wie W3 (Landkreis Wittenberg), dessen Ergebnisse wir auf der Abschlusskonferenz in Bayern als Impulse für die Energieavantgarde würdigen konnten.

Folgerung für Zukünftiges: Um mit den Kooperationen und Kooperationswünschen strukturiert umzugehen, werden in Zukunft u.a. die Innovationswerkstätten stattfinden. Sie begegnen zwei Herausforderungen: erstens geben sie den bestehenden Partnern die Möglichkeit sich – etwa im Sinne eine Messe – miteinander zu vernetzen. Zweitens können Akteure, die mit uns kooperieren möchten, in einem Wettbewerb antreten und Avantgardepartner werden. Die Kriterien für einen solchen Wettbewerb werden – wie auch die Kriterien für den ‘Energy Accelerator’ Wettbewerb – im partizipativen Verfahren der Energieforen gemeinsam mit den regionalen Akteuren und Vereinsmitgliedern festgelegt.

Innovation & Entwicklung

Regionale und aktivierende Kommunikation sowie Ansprache aller relevanten Akteure zur Teilnahme im weitergehenden Transformationsprozess.

Ziele

Erarbeitung von sozialen Innovationen, Einbindung und Engagement möglichst vieler Akteure und Bürger, Leuchttürme schaffen, Datentransparenz herstellen, Komple-xität verständlich machen

Maßnahmen

z.B. Szenario-Werkstatt, Bürgerbeirat/ Regionalforum, aktivierendes Bildungsprogramm, Veranstaltungen, Show-room, Ansprache von Systemakteuren

Hintergrund

Im Bereich der regionalen und aktivierenden Kommunikation und Ansprache aller relevanten Akteure zur Teilnahme im weitergehenden Transformationsprozess konnten in Folge einer Kommunikationswerkstatt im Januar 2016 zahlreiche Fortschritte erzielt werden. Dort wurden alle Kommunikationsmaßnahmen der Energieavantgarde gemeinsam analysiert und diskutiert.

Es fanden darüber hinaus Gespräche mit dem regionalen Tourismusverband der WelterbeRegion Anhalt-Dessau-Wittenberg sowie mit weiteren Partnern statt. Die Gespräche haben gezeigt, dass Industriegeschichte und Erneuerbare Energien miteinander verknüpft sind. Diese Symbiose aus Energiezukunft und Industriegeschichte soll sich künftig auf der Erlebnisroute des Kohle-Dampf-Licht-Seen-Radwegs, in Angeboten der Gästeführer vor Ort (getragen von der Ländlichen Erwachsenenbildung u.a.) und auf der Webseite des Tourismusverbandes stärker widerspiegeln. Hier werden zurzeit konkrete Informationsangebote  entwickelt und durch die Beteiligung an Formaten wie dem Tag der Industriekultur erprobt.

Voraussichtlich ab 2017 werden auch Mittel als dem Programm LEADER zur Entwicklung ländlicher Räume für die Energieavantgarde zur Verfügung stehen. Hier wird angestrebt, die vielfältigen Projekte (sozial, baulich, ökonomisch) aus dem LEADER-Kontext im Rahmen eines Kooperationsprojektes mehrer Lokaler AktionsGemeinschaften (LAGs) der Reallabor-Region von Anfang an im Sinne der energetischen Transformation zu beraten und zu qualifizieren.

Bildungs- und Vermittlungsansätze wurden mit mehreren Instituten diskutiert. Identifiziert wurden die Bereiche Schulbildung, Bildungsübergänge (lebenslanges Lernen) und Volkshochschulen. Beratend fand in diesem Zusammenhang u.a. ein Treffen mit Prof. Peer Pasternack vom Institut für Hochschulforschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg statt.

Die Förderer

Ermöglicht wurden die ersten Schritte der Initiative durch die Unterstützung der Landesregierung Sachsen-Anhalts. Seit der Vereinsgründung wird die Arbeit der EAA durch die innogy Stiftung für Energie und Gesellschaft gGmbH, die 2016 aus der RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft gGmbH hervorgegangen ist, und die Haleakala-Stiftung gefördert. Zudem wird der Verein durch weitere, projektbezogene Partner und Förderer unterstützt. Zu den Letzteren gehört unter anderem das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms Sozial-ökologische Forschung.

Vorstand

Sven Wüstenhagen

1. Stellvertretender Vorsitzender

Thomas Zänger

Beisitzer

Thies Schröder

Vorstandsvorsitzender

Dr. Gabriele Kegler

Schatzmeisterin

Falk Hawig

2. Stellvertretender Vorsitzender

Harry Rußbült

Schriftführer

Team

Rolf Hennig

Projektadministration & Engineering

Michél Schnitz

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Cátia Oliveira

Projektmanagment & Kommunikation

Anna Hülle

Projektassistenz

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