TAG 1: Anhalt als Transformationsbühne für eine regionale Energiewende

05. Oktober 2015

Anhalt als Transformationsschauplatz einer regionalen Energiewende

Wenn man auf der Landkarte die äußeren Endpunkte der Europäischen Union von Nord nach Süd und Ost nach West verbindet, kreuzen sich die Linien in der Nähe der mittleren Elbe – etwa 100 Kilometer südlich von Berlin. Dort liegen die Städte Dessau und Wittenberg in einer dichten Kulturlandschaft, in der – und das ist weltweit einzigartig – vier UNESCO-Welterbestätten genutzt werden:

  • Bauhaus Dessau
  • Dessau-Wörlitzer Gartenreich
  • Reformationsstätten Wittenberg und
  • Biosphärenreservat Mittelelbe

Vier Ideenschmieden für Veränderungen und Erneuerungen der Zivilisation konzentriert in einer Region.

Auch wesentliche technische Entwicklungen gingen von dieser Region aus, so der Automobilbau (in Dessau stand die Wiege von Opel), die Energiewirtschaft (Deutsche Continental Gasgesellschaft), der Flugzeugbau (Junkers). Dieses Erbe erweist sich als Reservoir gegenwartstauglicher und zukunftsfähiger Konzepte. Das Bauhaus brachte mehr als nur die Innovation der Kunst, das Gartenreich der Aufklärung gab Impulse für Bildung und wirtschaftliche Entwicklung, Luthers Reform der Theologie mündete in vielfältige gesellschaftliche Reformen und das Prinzip der Biosphärenreservate geht weit über Naturschutz hinaus. Und die Region belegte mit Rathenau und Junkers – stellvertretend für Ingenieure, Wissenschaftler und Wirtschaftslenker genannt – im Ranking der fossilen industriellen Revolution einen der obersten Plätze: Das weltgrößte Kohlekraftwerk 1915, das erste Ganzmetallflugzeug 1919, die Agfa-Farbfilme der 1930er Jahre sind nur einige Beispiele.

Als 2001 in Thalheim die ersten Solarzellen vom Band liefen, sprach man über Solar Valley und einen erneuten Aufbruch. Er war nicht voraussetzungslos: Gut ausgebildete Chemiearbeiter mit Kenntnissen in Beschichtungstechnologie waren genauso eine Erfolgsbedingung wie – wiederholt in dieser Region – die zugereisten Ingenieure. Aber dieser Aufbruch begann schon früher: Als im Bauhaus Dessau im November 1989 in einem Gropius-Seminar Raumwissenschaftler die Zukunft planten, während die Mauer fiel, als 1991 die Hochschule Anhalt gegründet wurde, als 1994 der erste Windpark mit Umweltverträglichkeitsprüfung auf der Hochkippe eines ausgekohlten Tagebaus errichtet wurde, als zwischen 1996 und 2000 in Dessau Rotorblätter für Windkraftanlagen gebaut und in Zörbig ab 2000 verschiedene Technologien der Bioenergiegewinnung entwickelt wurden. Auch für die Standortwahl des Umweltbundesamtes in Dessau spielte der Kontrast aus ökologischer Krisenregion und Aufbruch in das postfossile Zeitalter eine Rolle.

Vor diesem Hintergrund führte der Impuls der Stiftung Bauhaus Dessau und der Ferropolis GmbH, die Vorreiter einer postfossilen Energieversorgung in der Region zu suchen und zu entwickeln, ihre Kräfte für eine regionale Wertschöpfung und kulturelle Identität der Region zu nutzen sowie die Bildungs- und Gestaltungsfragen dieser Transformation zu bearbeiten, schnell zur Entfaltung der regionalen Initiative Energieavantgarde Anhalt.

Die Energieavantgarde Anhalt ist eine Standort- und Innovationsoffensive, die mit Hilfe eines Reallabors die Regionalisierung der Energiewende dezentral, vernetzt und gemeinsam vorantreiben möchte. Ein weiteres innovatives, mutiges Vorhaben, welches sich in die lange Tradition der Region als Vorreiter und Transformationszentrum einreihen und einmal mehr Avantgarde sein soll.

Was halten Sie von der Wahl der Planungsregion Anhalt-Bitterfeld-Wittenberg als Schauplatz für unser Reallabor? Welche Erwartungen haben Sie an eine regionale Energiewende?

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