Pressemitteilung – re-produktive Stadt – 28.07.2016

29. Juli 2016

Die re-produktive Stadt Neues Projekt des Energieavantgarde Anhalt e. V. erprobt in Bitterfeld-Wolfen Energie- und Nachhaltigkeitswende


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Die Stadt Bitterfeld-Wolfen wird gemeinsam mit ihren Bewohnern, Unternehmen und Einrichtungen in den kommenden drei Jahren in einem sozial-ökologischen Forschungs- und Umsetzungsprojekt aktiv an der Energiewende vor Ort arbeiten. Ziel ist es, mit der systematischen Verbesserung der stofflichenergetischen und wirtschaftlich-sozialen Re-Poduktionsfähigkeit der mittelgroßen, polyzentralen Kommune einen Weg für die Energie- und Nachhaltigkeitswende zu finden. Dieser soll für vergleichbare Städte nachvollziehbar sein. Dabei wird es darauf ankommen, die Wandlungsfähig- und Willigkeit aller zu erproben. Bitterfeld-Wolfen gehört zu den Städten ohne Wachstum, die über viel Fläche verfügen, einem hohen Kostendruck durch die Infrastruktur ausgesetzt sind und ihre Attraktivität für qualifizierte Arbeitnehmer zu steigern haben. Ausgangspunkt des Experiments ist es, diese Situation als Chance zu betrachten. Das von der Energieavantgarde Anhalt (EAA) angeregte und getragene Vorhaben wird
gemeinsam von der BTU Cottbus-Senftenberg, der Inter 3 GmbH Institut für Ressourcenmanagement, dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS, dem Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP und der Stadt Bitterfeld-Wolfen realisiert. Ermöglicht wird das komplexe Vorhaben durch eine Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms Sozial-ökologische Forschung in Höhe von etwa einer Million Euro.
In der re-produktiven Stadt wird systematisch nach Möglichkeiten gesucht, bis dato ungenutzte Ressourcen wie beispielsweise Grünschnitt, Sonne, Wind, Brachflächen und Sekundärstoffe wie Abwärme und Abfälle als Ausgangspunkte für etwas Neues zu betrachten und sie zum Wohle der
Gemeinschaft weiterzuverwenden oder gleich die Prozesse, die sie hervorbringen, zu verändern. So soll ohne Hinzufügung weiterer Ressourcen die Entwicklung der Stadt dauerhaft gesichert werden. Dabei wird die Etablierung re-produktiver Wirtschaftsprozesse zu neuen Stadtbildern, räumlichen Konstellationen und ungewöhnlichen Kooperationen verschiedener Akteure führen.
In fünf Arbeitsschritten wollen die Akteure zum Ziel kommen. Nach der Analyse der Ausgangssituation mit dem Aufspüren der Ressourcen und dem Strukturieren der Verwertungsprozesse, werden in einem zweiten Schritt die Bürger und Institutionen gefunden, die sich an der solidarischen In-Wert-Setzung der Ressourcen beteiligen wollen. Diese Akteurskonstellationen werden in den Phasen drei und vier die neuen Wirtschaftsprozesse ausprobieren, über die Entwicklung ihrer Stadt diskutieren und die sich
daraus ergebende Stadtlandschaft kreieren. Abschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen wissenschaftlich für die Nachnutzung interessierter, vergleichbarer Kommunen aufbereitet
und zur Verfügung gestellt.
Die Energieavantgarde Anhalt, die seit 2015 als gemeinnütziger Verein agiert, ist ein regionales Akteursnetzwerk. In Kooperation mit nationalen und europäischen Partnern arbeitet es an dem zukunftsfähigen Umbau des Energiesystems vor Ort. Die regionale Wertschöpfung soll zur lokalen
Energiewende beitragen und allen Mitstreitern wie Kommunen, Unternehmen, Bürgern und öffentlichen Einrichtungen die Möglichkeit bieten, sich daran zu beteiligen. Dafür notwendige technische, ökonomische und soziokulturelle Veränderungen gestalten Partner wie die Stadtwerke der Region, das
Umweltbundesamt, die Stiftung Bauhaus Dessau, Ferropolis und viele Kommunen, darunter die Stadt Dessau-Roßlau, sowie die Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Wittenberg gemeinsam. Die EAA wird durch die RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft gGmbH und die HALEAKALA-Stiftung gefördert.