TAG 107: Mehr als Stromversorger

24. Januar 2016

Zwei Schlüsselfragen der Energieavantgarde Anhalt:

  • Welche neuen Technologien wie organische PV, Wasserstofftechnologien, Speicher oder Höhenwind werden zu game changern, also bahnbrechend sein für den Markt der erneuerbaren Energien und das regionale Energiesystem der Zukunft?
  • Welche Geschäftsmodelle machen die bisherigen Energieversorger wie Stadtwerke, Flächenversorger etc. zu Gewinnern der Transformation, zu stabilen Akteuren auch in einem gewandelten Prosumenten-Markt?

Während die erste Frage nur durch Entwicklungen, Praxistests, Erfahrungen und Weiterentwicklungen dieser Technologien zu beantworten sein wird, gibt es für die Antwort auf die Zukunftsfragen der bisherigen Energieversorger nun einige spannende Annahmen:

Die Oliver Wyman Managementberatung hat Fragen gestellt – und Antworten entwickelt. Im „Produktsonar Energie“ stellt die Beraterfirma fest: „Die Energiewende … bring(t) die klassischen Energieversorgungsunternehmen signifikant in Zugzwang. Gerade im Bereich der konventionellen Stromerzeugung sowie im Netz haben sie mit hohen Verlusten zu kämpfen. … Damit stehen die traditionellen Energieversorger vor der Herausforderung, zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen.“

(Weiteres auch im Sonnenseite-Newsletter von Franz Alt.)

Die Energieavantgarde Anhalt wird diese Fragen aufgreifen und in der Prosumentenforschung mit Partnern wie der Hochschule Anhalt und der Leibniz-Forschungsgemeinschaft weiter untersuchen, nun ganz konkret und vor Ort im Reallabor.

Eine große Chance ist die Kombination von Angeboten. Schon heute verbinden Energieversorger und Stadtwerke oftmals Strom und Wärme, Datenleitungen und Telefonie in ihren Angeboten. In diesen und weiteren kombinierten Produkten liegt die Zukunft der Energieversorger als komplexe Dienstleister. Die gute Nachricht: Das Vertrauen der Kunden in die traditionellen Energieversorger ist hoch, das „das Interesse der privaten Verbraucher an innovativen Produkten“ ist groß. „Besonders gegenüber neuen Produkten rund um ihr Zuhause sind sie sehr aufgeschlossen und vertrauen Energieversorgern auch, diese anbieten zu können. Dies macht neue Produkte zu einem zentralen Treiber für Kundenbindung und -gewinnung.“

 

Was aber macht eine komplexe Dienstleistung aus? Wärme und Strom aus einer Hand wird allein nicht genügen. Kunden werden zukünftig nicht allein Kunden, sondern auch Energieproduzenten sein – als Mietergenossenschaft mit eigener PV-Anlage auf den Dächern, als Industrieunternehmen mit Abwärmeüberschuss, als Partner im Lastgangmanagement, als Einfamilienhaushalt mit Kellerspeicher und Haus-PV-Anlage, als Teilhaber am Windpark vor der Tür oder als Betreiber eines Kleinwasserkraftwerks oder Kleinwindkraftwerks in passender Lage.

Die Beziehungen zwischen bisherigen Kunden = zukünftigen Prosumenten und ihren Energieversorgern, die dann noch mehr als bisher Energiedienstleister sein werden, werden vielfältig – und umfangreicher.

 

Warum nicht integrierter Strom-Wärme-Mobilitätsmanager? Warum nicht Innovationsberater und -vermittler im Energiesektor? (50 % interessierte Kunden) Warum nicht Berater im Technikuniversum des digitalen Haushalts? (52 % interessierte Kunden) Und Mobilitätsanbieter? (45 % interessierte Kunden).

33 % aller Befragten wären sogar an Versicherungen und Finanzdienstleistungen vom Energieversorger interessiert.

Nicht jeder bisheriger Kunde = zukünftiger Prosument wird sich die Mühen machen, jederzeit eigenverantwortlich über Techniken, Wartungen, Finanzierungen und neue Anwendungen entscheiden zu können. Stadtwerke und Energieversorger können hieraus ihre neuen Aufgaben ableiten. Warum also nicht die vielen Kundenbeziehungen nutzen, um als kompetenter Zukunftsberater in allen Technik- und Anwendungsfragen aufzutreten? Vielleicht inkl. Repair-Café für alte Toaster?

Die Zukunft der bisherigen Energieversorger liegt im Energie- und Datenmanagement für Prosumenten und ihre Netzwerke. Das Vertrauen und die Erwartung wären gegeben.

 

 

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