TAG 41: Energieavantgarde Anhalt meets IHK

17. November 2015

Am 17.11.2015 stellte sich die Energieavantgarde Anhalt den Fragen des Energiepolitischen Arbeitskreises der IHK Halle-Dessau.

Eingebettet in Vorträge zu konkreten Perspektiven der Stadtwerke Dessau DVV (Thomas Zänger) und zu Aktuellem aus der Energiepolitik (Dr. Sebastian Bolay, DIHK) fand der Vortrag der Energieavantgarde Anhalt einen diskussionsfreudigen Teilnehmerkreis. Im Energiepolitischen Arbeitskreis sind Chemieindustrie, Netzbetreiber, Stadtwerke, Verkehrsunternehmen, Betriebe, Bergbaukonzerne und IHK-Hauptamt vertreten. Ein Kreis also, der sehr konkrete Vorstellungen und auch Kritikpunkte zum Thema Energiewende hat.

Vier Punkte der gemeinsamen Diskussion sind besonders relevant:

Aus Sicht der Unternehmen in Sachsen-Anhalt wurde zumindest die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines einheitlichen Marktgebietes Deutschland-Österreich aufgeworfen. Natürlich spricht alles für ein solches einheitliches Marktgebiet in Deutschland, aber wirklich alles? Netzentgelte belasten die Unternehmen in Regionen Sachsen-Anhalts mit hohem Anteil regenerativer Energien heute erheblich. Die durch Dr. Bolay aufgezeigten weiteren zu erwartenden Umlagekosten (vor allem Redispatch, aber auch EEG-Umlage, Netzausbau etc.) machten allen Anwesenden deutliche Sorgenfalten.

Warum findet sich von den angekündigten Beseitigungen von Hemmnissen der Flexibilisierung in den aktuellen Gesetzentwurf zum Strommarkt 2.0 so wenig wieder?

Wie sollen Investitionen bei häufigen Änderungen der Regularien (Beispiel KWK) sinnvoll getätigt werden? Verlässlichkeit ist gefordert, aber schwierig in einem beständigen Anpassungsprozess.

Steigert die heutige Energiepolitik sogar die Anreize für Unternehmen, sich um die Eigenversorgung / Autarkie zu bemühen? Also die Abkopplungen vom Netz? Wer trägt dann noch die Netzkosten? Der Rest der Netzkunden? Können Stadtwerke und andere Netzbetreiber auf dieser Basis ihre Existenz sichern? Oder muss mit Zwangsnetzabgaben für alle das energiewirtschaftliche Gesamtsystem aufrecht erhalten werden?  Und der Eigenerzeugung, dem Eigenverbrauch entgegengewirkt werden?

Deutlich wurde, wie schwierig es ist, ein stabiles Energiesystem der Vergangenheit und Gegenwart in eine postfossile Zukunft zu übertragen, die neuen Bedingungen unterliegt. Niedrige Grenzkosten für Energie aus Wind und Sonne, Preissignale, Umlagen für die Netz- und Systemstabilität – wie kann das zukünftig zusammenpassen? Am Tisch des Arbeitskreises Energiepolitik war die Kritik an der gegenwärtigen Energiepolitik Konsens, aber in der Zielstellung unterscheiden sich die Akteure deutlich. Liberalisierung = Dezentralisierung = (Teil)Autarkie? Netzkoppelung oder Entkoppelung? Oder das Energiesystem (Stabilität) als steuerfinanziertes Backup, als gesellschaftliche Sicherheitsreserve? Wie viel Markt verträgt das Energiesystem, wie viel Energiesicherheit verträgt der Markt?

Fragen auch an das Reallabor Energieavantgarde Anhalt.

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.