TAG 92: Höhenwind im Aufwind

09. Januar 2016

 

ek200In drei Handlungsfeldern ist die Energieavantgarde Anhalt tätig: das regionale Energiesystem, die Integration von Innovationen, die Vermittlung von Energiekompetenz. Diese Felder stärken sich gegenseitig. Wobei die Innovationen ständig neue Chancen bieten. 

In allen Bereichen wie Photovoltaik, Geothermie, Bioenergie, Windenergie ist die technologische Entwicklung bei weitem nicht ausgereizt. Organische PV, Wasserstofftechnologien, Bioraffinerien – größte Potenziale bestehen in der Verbindung aus Stoff- und Energiekreisläufen. Hinzu kommt die Energieeffizienz.

Ein zweiter Innovationstreiber ist die Steuerungskapazität, das Datenmanagement, die Rechnerleistung. Dies betrifft nicht allein smart grids, also die optimierte Steuerung von volatiler Nachfrage und volatilem Dargebot erneuerbarer Energien aus Sonne und Wind im Stromnetz.

Einige Nutzungen der Energie vom Kühlschrank bis zum Kühlhaus lassen sich dem volatilen Dargebot des Sonnen- und Windstroms recht gut anpassen. Vieles ist über ein Lastmanagement auszugleichen.

Doch andere Anwendungen sind auf die zuverlässige Stromversorgung zu jedem Zeitpunkt angewiesen. Sensible Produktionsprozesse reagieren auf sekündliche Spannungsschwankungen, und viele Haushalte wollen sich in ihrem Alltag nicht nach dem aktuellen Stromangebot aus Sonne und Wind richten.

Speicher sind eine Alternative. Eine andere ist: mehr Strom, zu (fast) jeder Zeit. Wir werden zukünftig mehr Strom benötigen, für Elektromobile, zum Heizen, für Rechnerprozesse und vieles mehr. Dieser muss kostengünstig erzeugt werden.

Eine Antwort verspricht die Nutzung des Höhenwindes. Während ein klassisches Windrad heute den Wind in bis zu 150 Meter Höhe erntet, können Winddrohnen / Winddrachen den Höhenwind nutzen. Sie fliegen Achten in bis zu 300 Meter Höhe. Dort weht der Wind stärker und vor allem regelmäßig.

Um in dieser Höhe Wind zu ernten, braucht es keinen hohen Turm mit viel Material und teurer Gründung. Der Generator kann am Boden bleiben, Seile und teils zugleich Kabel verbinden die Winddrohnen mit dem Erdboden.

Deutlich mehr Windnutzung (Volllaststunden), mehr Wind und viel weniger Material – damit kann Höhenwind Kosten der Energieerzeugung erreichen, die unter allen derzeit verfügbaren Technologien wie Kohle, Öl, Gas und auch klassischer Windenergie und PV liegen.

Einer der Entwickler der Höhenwindkraft ist EnerKite. Wir haben uns diese Höhenwindtechnologie von EnerKite heute erneut genauer angesehen, anlässlich eines Jahresauftakt-Treffens in der Berliner Werkstatt des Innovationsunternehmens.

Es hat sich vieles getan bei EnerKite: technische Entwicklungen, leichtere und stabilere Flügel und neue Programme der automatischen Steuerung machen es nun möglich, ein neues automatisches Start- und Landesystem der Winddrachen zu erproben.

Und das kann der Durchbruch sein: so vermuten es Fonds und Investoren wie daidalos-capital. www.daidalos-capital.com

Mit Udo Zillmann von daidalos-capital, einem Fondsverwalter, der seine Investitionen ausschließlich auf die Entwicklung von Höhenwindenergie konzentriert, habe ich über Chancen und Risiken gesprochen. daidalos-capital ist mit der positiven Einschätzung der Chancen der Höhenwindenergie keineswegs allein: weltweit investieren Konzerne wie Google, Statkraft, 3M oder Alstom in diese Technologie.

Doch welche Potenziale hat Höhenwind für ein regionales Energiesystem in der Region Anhalt? Und warum ist nun der Zeitpunkt gekommen für die Zukunftschance der ‚Airborne Wind Energy‘ AWE?

Zillmann nennt zwei Argumente:

(1) Durch die Möglichkeiten der Steuerungstechnik, also die Rechnerleistungen, sind die automatische Steuerung inkl. Start und Landung der Höhenwinddrachen oder Drohnen erst seit kurzem möglich. Eine alte (in den 1970er Jahren erdachte) Technologie der Winddrachen wird also nun wirtschaftlich einsetzbar – und hat große wirtschaftliche Vorteile.

(2) Diese Steuerungstechnologie ist nicht allein für die Höhenwindenergie entstanden, sondern durch die Drohnentechnologie vorangetrieben worden. Selbststeuernde Flugobjekte sind heute nicht mehr nur militärische Objekte, sondern wecken die Ideen vieler, vom Hobbyfotografen bis zum Logistikkonzern.

Die Chance des Höhenwindes, zum game changer in der Zukunft der Erneuerbaren zu liegen, liegt also nicht allein in Flügeln und Seilen, sondern auch in Prozessoren und Chips, die Gyro, Barometer, GPS und vieles mehr auf wenigen Quadratzentimetern als Prozessoren mit 2,8 g Gewicht in die Höhe bringen. Und dort auf ihren Flügeln Achten fliegen, so dass der Generator am Boden Strom erzeugt.

EnerKite ist eine von mehreren konkurrierenden Unternehmen der Ernte des Höhenwindes. Die prognostizierten Kosten für die Stromgestehung aus Höhenwind sprechen für diese Technologie.

Aber erst einmal ist in der Praxis zu beweisen, wie gut die selbststeuernden Wind-Ernteflüge funktionieren. Die Energieavantgarde Anhalt wird Orte und Gelegenheiten suchen, um diese vielversprechende Innovation in Anwendung zu bringen. Die Kostenvorteile der erneuerbaren Energien werden nämlich letztlich den Ausschlag geben zu ihrer allgemeinen Durchsetzung.

Mehr dazu lesen? Unsere Empfehlung ist der Text „The Trillion Dollar Drone“. Ein umfassender Überblick über eine neue Technologie-Verbindung, die vor ihrem nächsten großen Schritt steht. Vielleicht der wichtigste Schritt der globalen Energiewende.

 

 

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