TAG 107: Mehr als Stromversorger

Zwei Schlüsselfragen der Energieavantgarde Anhalt:

  • Welche neuen Technologien wie organische PV, Wasserstofftechnologien, Speicher oder Höhenwind werden zu game changern, also bahnbrechend sein für den Markt der erneuerbaren Energien und das regionale Energiesystem der Zukunft?
  • Welche Geschäftsmodelle machen die bisherigen Energieversorger wie Stadtwerke, Flächenversorger etc. zu Gewinnern der Transformation, zu stabilen Akteuren auch in einem gewandelten Prosumenten-Markt?

Während die erste Frage nur durch Entwicklungen, Praxistests, Erfahrungen und Weiterentwicklungen dieser Technologien zu beantworten sein wird, gibt es für die Antwort auf die Zukunftsfragen der bisherigen Energieversorger nun einige spannende Annahmen:

Die Oliver Wyman Managementberatung hat Fragen gestellt – und Antworten entwickelt. Im “Produktsonar Energie” stellt die Beraterfirma fest: “Die Energiewende … bring(t) die klassischen Energieversorgungsunternehmen signifikant in Zugzwang. Gerade im Bereich der konventionellen Stromerzeugung sowie im Netz haben sie mit hohen Verlusten zu kämpfen. … Damit stehen die traditionellen Energieversorger vor der Herausforderung, zusätzliche Ertragsquellen zu erschließen.”

(Weiteres auch im Sonnenseite-Newsletter von Franz Alt.)

Die Energieavantgarde Anhalt wird diese Fragen aufgreifen und in der Prosumentenforschung mit Partnern wie der Hochschule Anhalt und der Leibniz-Forschungsgemeinschaft weiter untersuchen, nun ganz konkret und vor Ort im Reallabor.

Eine große Chance ist die Kombination von Angeboten. Schon heute verbinden Energieversorger und Stadtwerke oftmals Strom und Wärme, Datenleitungen und Telefonie in ihren Angeboten. In diesen und weiteren kombinierten Produkten liegt die Zukunft der Energieversorger als komplexe Dienstleister. Die gute Nachricht: Das Vertrauen der Kunden in die traditionellen Energieversorger ist hoch, das “das Interesse der privaten Verbraucher an innovativen Produkten” ist groß. “Besonders gegenüber neuen Produkten rund um ihr Zuhause sind sie sehr aufgeschlossen und vertrauen Energieversorgern auch, diese anbieten zu können. Dies macht neue Produkte zu einem zentralen Treiber für Kundenbindung und -gewinnung.”

 

Was aber macht eine komplexe Dienstleistung aus? Wärme und Strom aus einer Hand wird allein nicht genügen. Kunden werden zukünftig nicht allein Kunden, sondern auch Energieproduzenten sein – als Mietergenossenschaft mit eigener PV-Anlage auf den Dächern, als Industrieunternehmen mit Abwärmeüberschuss, als Partner im Lastgangmanagement, als Einfamilienhaushalt mit Kellerspeicher und Haus-PV-Anlage, als Teilhaber am Windpark vor der Tür oder als Betreiber eines Kleinwasserkraftwerks oder Kleinwindkraftwerks in passender Lage.

Die Beziehungen zwischen bisherigen Kunden = zukünftigen Prosumenten und ihren Energieversorgern, die dann noch mehr als bisher Energiedienstleister sein werden, werden vielfältig – und umfangreicher.

 

Warum nicht integrierter Strom-Wärme-Mobilitätsmanager? Warum nicht Innovationsberater und -vermittler im Energiesektor? (50 % interessierte Kunden) Warum nicht Berater im Technikuniversum des digitalen Haushalts? (52 % interessierte Kunden) Und Mobilitätsanbieter? (45 % interessierte Kunden).

33 % aller Befragten wären sogar an Versicherungen und Finanzdienstleistungen vom Energieversorger interessiert.

Nicht jeder bisheriger Kunde = zukünftiger Prosument wird sich die Mühen machen, jederzeit eigenverantwortlich über Techniken, Wartungen, Finanzierungen und neue Anwendungen entscheiden zu können. Stadtwerke und Energieversorger können hieraus ihre neuen Aufgaben ableiten. Warum also nicht die vielen Kundenbeziehungen nutzen, um als kompetenter Zukunftsberater in allen Technik- und Anwendungsfragen aufzutreten? Vielleicht inkl. Repair-Café für alte Toaster?

Die Zukunft der bisherigen Energieversorger liegt im Energie- und Datenmanagement für Prosumenten und ihre Netzwerke. Das Vertrauen und die Erwartung wären gegeben.

 

 

TAG 100: Wind um die Ohren

Nach stürmischen Entwicklungen und Diskussionen der letzten Wochen ist der Tag 100 der Energietransformation / Energieavantgarde Anhalt kein Jubiläum, sondern ein Ruhetag. An der Ostsee auf Usedom gelingt das bei minus 7 Grad besonders gut.

Die Schlussfolgerungen eines durchgepusteten Kopfs:

  • Region ist nicht Region. Es sind die Unterschiede, die interessant sind. Nicht alle Regionen sind gleichermaßen vom demographischen Wandel betroffen, oft liegen Gewinner- und Verliererregionen direkt nebeneinander.
  • Unser Blick auf Statistiken nivelliert diese Unterschiede vor Ort. Wir sollten uns von der mittleren Tendenz nicht täuschen lassen.
  • Es lohnt, sich zu unterscheiden, die bessere Idee zu haben, die bessere Strategie. Die Schlüsselfelder können heute und morgen ganz andere sein: Tourismus, Tradition, Industrie 4.0 oder eben Big Data. Energiewende verbindet viele dieser Aspekte, und diese mit dem demographischen Wandel. Geht es doch um eine Teilhabe, eine Prosumentenstruktur. Die in Metropolen anders organisiert ist als auf dem Land.
  • Beide Strukturen werden weiterhin nebeneinander und miteinander existieren. Daraus können wir Stärken ableiten, für die Region Anhalt, für die Smart Cities, für den ländlichen Raum und die Metropolenregionen. Nur den Kontakt nicht verlieren.

TAG 92: Höhenwind im Aufwind

 

ek200In drei Handlungsfeldern ist die Energieavantgarde Anhalt tätig: das regionale Energiesystem, die Integration von Innovationen, die Vermittlung von Energiekompetenz. Diese Felder stärken sich gegenseitig. Wobei die Innovationen ständig neue Chancen bieten. 

In allen Bereichen wie Photovoltaik, Geothermie, Bioenergie, Windenergie ist die technologische Entwicklung bei weitem nicht ausgereizt. Organische PV, Wasserstofftechnologien, Bioraffinerien – größte Potenziale bestehen in der Verbindung aus Stoff- und Energiekreisläufen. Hinzu kommt die Energieeffizienz.

Ein zweiter Innovationstreiber ist die Steuerungskapazität, das Datenmanagement, die Rechnerleistung. Dies betrifft nicht allein smart grids, also die optimierte Steuerung von volatiler Nachfrage und volatilem Dargebot erneuerbarer Energien aus Sonne und Wind im Stromnetz.

Einige Nutzungen der Energie vom Kühlschrank bis zum Kühlhaus lassen sich dem volatilen Dargebot des Sonnen- und Windstroms recht gut anpassen. Vieles ist über ein Lastmanagement auszugleichen.

Doch andere Anwendungen sind auf die zuverlässige Stromversorgung zu jedem Zeitpunkt angewiesen. Sensible Produktionsprozesse reagieren auf sekündliche Spannungsschwankungen, und viele Haushalte wollen sich in ihrem Alltag nicht nach dem aktuellen Stromangebot aus Sonne und Wind richten.

Speicher sind eine Alternative. Eine andere ist: mehr Strom, zu (fast) jeder Zeit. Wir werden zukünftig mehr Strom benötigen, für Elektromobile, zum Heizen, für Rechnerprozesse und vieles mehr. Dieser muss kostengünstig erzeugt werden.

Eine Antwort verspricht die Nutzung des Höhenwindes. Während ein klassisches Windrad heute den Wind in bis zu 150 Meter Höhe erntet, können Winddrohnen / Winddrachen den Höhenwind nutzen. Sie fliegen Achten in bis zu 300 Meter Höhe. Dort weht der Wind stärker und vor allem regelmäßig.

Um in dieser Höhe Wind zu ernten, braucht es keinen hohen Turm mit viel Material und teurer Gründung. Der Generator kann am Boden bleiben, Seile und teils zugleich Kabel verbinden die Winddrohnen mit dem Erdboden.

Deutlich mehr Windnutzung (Volllaststunden), mehr Wind und viel weniger Material – damit kann Höhenwind Kosten der Energieerzeugung erreichen, die unter allen derzeit verfügbaren Technologien wie Kohle, Öl, Gas und auch klassischer Windenergie und PV liegen.

Einer der Entwickler der Höhenwindkraft ist EnerKite. Wir haben uns diese Höhenwindtechnologie von EnerKite heute erneut genauer angesehen, anlässlich eines Jahresauftakt-Treffens in der Berliner Werkstatt des Innovationsunternehmens.

Es hat sich vieles getan bei EnerKite: technische Entwicklungen, leichtere und stabilere Flügel und neue Programme der automatischen Steuerung machen es nun möglich, ein neues automatisches Start- und Landesystem der Winddrachen zu erproben.

Und das kann der Durchbruch sein: so vermuten es Fonds und Investoren wie daidalos-capital. www.daidalos-capital.com

Mit Udo Zillmann von daidalos-capital, einem Fondsverwalter, der seine Investitionen ausschließlich auf die Entwicklung von Höhenwindenergie konzentriert, habe ich über Chancen und Risiken gesprochen. daidalos-capital ist mit der positiven Einschätzung der Chancen der Höhenwindenergie keineswegs allein: weltweit investieren Konzerne wie Google, Statkraft, 3M oder Alstom in diese Technologie.

Doch welche Potenziale hat Höhenwind für ein regionales Energiesystem in der Region Anhalt? Und warum ist nun der Zeitpunkt gekommen für die Zukunftschance der ‘Airborne Wind Energy’ AWE?

Zillmann nennt zwei Argumente:

(1) Durch die Möglichkeiten der Steuerungstechnik, also die Rechnerleistungen, sind die automatische Steuerung inkl. Start und Landung der Höhenwinddrachen oder Drohnen erst seit kurzem möglich. Eine alte (in den 1970er Jahren erdachte) Technologie der Winddrachen wird also nun wirtschaftlich einsetzbar – und hat große wirtschaftliche Vorteile.

(2) Diese Steuerungstechnologie ist nicht allein für die Höhenwindenergie entstanden, sondern durch die Drohnentechnologie vorangetrieben worden. Selbststeuernde Flugobjekte sind heute nicht mehr nur militärische Objekte, sondern wecken die Ideen vieler, vom Hobbyfotografen bis zum Logistikkonzern.

Die Chance des Höhenwindes, zum game changer in der Zukunft der Erneuerbaren zu liegen, liegt also nicht allein in Flügeln und Seilen, sondern auch in Prozessoren und Chips, die Gyro, Barometer, GPS und vieles mehr auf wenigen Quadratzentimetern als Prozessoren mit 2,8 g Gewicht in die Höhe bringen. Und dort auf ihren Flügeln Achten fliegen, so dass der Generator am Boden Strom erzeugt.

EnerKite ist eine von mehreren konkurrierenden Unternehmen der Ernte des Höhenwindes. Die prognostizierten Kosten für die Stromgestehung aus Höhenwind sprechen für diese Technologie.

Aber erst einmal ist in der Praxis zu beweisen, wie gut die selbststeuernden Wind-Ernteflüge funktionieren. Die Energieavantgarde Anhalt wird Orte und Gelegenheiten suchen, um diese vielversprechende Innovation in Anwendung zu bringen. Die Kostenvorteile der erneuerbaren Energien werden nämlich letztlich den Ausschlag geben zu ihrer allgemeinen Durchsetzung.

Mehr dazu lesen? Unsere Empfehlung ist der Text “The Trillion Dollar Drone”. Ein umfassender Überblick über eine neue Technologie-Verbindung, die vor ihrem nächsten großen Schritt steht. Vielleicht der wichtigste Schritt der globalen Energiewende.

 

 

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TAG 88: Regionale Energiewende ist eine Aufgabe europäischer Kooperation

Horizon 2020 - General overview - Full HD Picture_0Schließen sich ein europäisches Energiesystem und die regionalen Energiebalancen, wie sie die Energieavantgarde Anhalt anstrebt, eigentlich aus?

Natürlich sind mehr als 50 Milliarden Kilowattstunden Stromexport aus Deutschland (in 2015) zu den europäischen Nachbarn kein Ausweis gelungener Klimapolitik, solange dieser Exportstrom zu großen Anteilen aus Kohlekraftwerken stammt. Aber sind sie Ausweis gelungener Energiepolitik? Ob der Exportstrom die Stromwirtschaft wesentlich stabilisiert, darf angesichts der zu erzielende Preise zumindest bezweifelt werden. Doch angesichts einer offenen Zukunft ist natürlich jeder Cent willkommen. Ein stabiles Europa ist jedoch mittelfristig eher eines der regenerativen Regionen als eines des Kohlestromexports.

Eine “Ursache” für den Export ist der erneut gewachsene Anteil der erneuerbaren Energien in den Netzen in Deutschland. Bisher entsteht dieses Wachstum durch Anreize, also durch das EEG. Wie sieht aber eine Post-EEG-Struktur des Strommarktes aus? Solarstrom aus Spanien, Windstrom von der Nordsee? Die Gestehungskosten pro Anlage hängen natürlich auch von Windstärken und Sonnenstunden ab. Wo viel Sonne scheint, lässt sich Strom kostengünstiger regenerativ erzeugen. Hinzu kommen allerdings Netzkosten, Regulierungen, politische und gesellschaftliche Steuerungen.

Und längst hat sich eine kleinteiligere Struktur in den Energiemärkten etabliert. Daher setzen wir auf die Regionen, die so weit wie möglich ihre Bilanzkreise ausbalancieren, aber natürlich auch untereinander handeln werden, um preisgünstige Versorgungssicherheit zu erreichen.

Wie eine europäische Kooperation der Energieregionen aussehen kann, wird auch in europäischen Forschungsprogrammen wie Horizont 2020 untersucht. Der Energie- und Klimatag Sachsen-Anhalt wird am 17.3.2016 in Dessau (Umweltbundesamt) das Thema der Forschungskooperation der Regionen in Europa beleuchten.

Eine erste Termininformation hat soeben die EU-Serviceagentur des Landes Sachsen-Anhalt verschickt: “Im Mittelpunkt des Energie- und Klimatages in Sachsen-Anhalt stehen die Arbeitsprogramme Energie und Klima in Horizont 2020. Das Veranstalterkonsortium aus EU-Hochschulnetzwerk, Enterprise Europe Network Sachsen-Anhalt und EU Service-Agentur will gemeinsam mit den Nationalen Kontaktstellen Energie und Umwelt zu diesen Programmen informieren und
erläutern, wie innovative Ideen und Technologien zu den Themen Klima und Energie mit Hilfe von Horizont 2020 ihren Weg aus Sachsen-Anhalt hin zu einer breiten Nutzung durch den Verbraucher beschreiten können.

Der Energie- und Klimatag bietet darüber hinaus die Gelegenheit, dass sich Akteure aus Forschung, Wirtschaft und Kommunen rund um erfolgversprechende Projektansätze vernetzen und auf diese Weise einen ersten Schritt hin zu einem Engagement in Horizont 2020 unternehmen.” (Sabine Eling-Saalmann, EU Service-Agentur im Hause der  Investitionsbank Sachsen-Anhalt)

Die Energieavantgarde Anhalt freut sich auf einen spannenden europäischen Energie- und Erfahrungsaustausch zwischen Regionen, Kommunen, Hochschulen und Unternehmen.

TAG 87: FOTO-FLASHBACK// Ein Rückblick auf die erfolgreiche Werkstatt der Energieavantgarde zum Thema “Regionaler Bilanzkreis”vom 08.12.2015 in der Landesvertretung des Landes Sachsen-Anhalt

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DSC_0473Am 8.Dezember 2015 wurde auf Einladung der Energieavantgarde Anhalt in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Zieschang (Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen Anhalt) der Ansatz eines Regionalen Bilanzkreises im Rahmen einer gemeinsamen Werkstatt besprochen.

Zahlreiche Teilnehmer aus den Bereichen rund um ein regionales Energiesystem einigten sich auf die Sinnhaftigkeit eines regionalen dezentralen Ansatz und sprachen sich für das Vorhaben der Energieavantgarde Anhalt aus.

Das Ergebnis der Werkstatt vom 08.12.2015: Ein regionales Energiesystem ist zuerst ein regionales Stromsystem. Ohne Integration von Wärme und Mobilität aber ist ein solches System nicht möglich. Das regionale Stromsystem ist mit den Bilanzkreisen der Energieversorger zu koordinieren. Eine Arbeitsgruppe definiert in den nächsten drei Monaten die genauen Anforderungen. Dann wird ein solches ausgleichendes “Konto” der regenerativen Energien in der Region entwickelt.

 

 

TAG 86: Von der Energieavantgarde unter die Lupe genommen – Eine Studie mit wesentlichen Erkenntnissen zur Energieversorgung von morgen

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Kaum hat das neue Jahr begonnen, sind die wesentlichen Zukunftserkenntnisse schon publiziert.

Im Ernst: die Studie “Flexibilitätskonzepte für die Stromversorgung 2050” der Nationale Akademie der Wissenschaft en Leopoldina, acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und Union der deutschen Akademien der Wissenschaften ist aufgrund der Auswertung der Vielzahl der Wege der Energiewende wirklich zielführend, hilft sie doch, aus den vielfachen die sinnvollen und damit wahrscheinlichen Möglichkeiten herauszufiltern.

Für die Energieavantgarde Anhalt ist vor allem folgende Aussage relevant:

“Zentrale oder dezentrale Erzeugung? Insgesamt sind Systeme mit starkem Übertragungsnetzausbau sowie dem kombinierten Einsatz von dezentralen und zentralen Kraftwerkstechnologien günstiger als rein dezentrale Systeme. Lässt man die Verteilnetze außen vor, sind die Stromgestehungskosten eines dezentralen Systems rund zehn Prozent höher (nur Anlagen mit einer Leistung unter 100 Megawatt, 90 Prozent Wind und Photovoltaikanteil). Je niedriger der Wind- und Photovoltaikanteil, desto höher sind die Mehrkosten. Deshalb sollte ein hoher Grad an Dezentralität mit einem starken Ausbau von Wind- und Photovoltaikanlagen in allen Teilen Deutschlands, insbesondere nahe der Verbrauchszentren einhergehen.
Umfragen zeigen, dass kleine, dezentrale Anlagen in der Bevölkerung mehr Zustimmung finden als große, zentrale Anlagen. Darüber hinaus stößt der Netzausbau teilweise auf vehementen Widerstand. Bei der Entscheidung für eine zentrale oder dezentrale Architektur der Stromversorgung müssen daher auch die gesellschaftlichen Präferenzen berücksichtigt werden.”

Soweit die Studie, hier in der Kurzfassung: https://www.leopoldina.org/…/2015_12_Kurzfassung_Flexibilita…

Gesellschaftliche Präferenzen und physikalische Notwendigkeiten werden also zu einem Mix aus dezentralen und zentralen Energieumwandlungen auf Basis der regenerativen Energien führen. Die Energieavantgarde Anhalt erkundet den besten Mix aus regionaler Balance und europäischer Kooperation

TAG 83: Klimaschonendes Verhalten als guter Vorsatz fürs neue Jahr

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Das Jahr neigt sich dem Ende. Mit dem Rauchen aufhören, Abnehmen, mehr Zeit für die Familie – Die Bandbreite an möglichen Vorsätzen für das Jahr 2016 ist groß. Ob gewöhnlich oder exotisch, individuell oder gemeinnützig, herausfordernd oder einfach – der Kreativität sind bei der Wahl geeigneter Ziele für das kommende Jahr keine Grenzen gesetzt.

Auch die Energieavantgarde Anhalt hat sich Gedanken hierzu gemacht und empfiehlt: Ins neue Jahr sparsam und klimafreundlich starten und den bewussten Umgang mit Energie als guten Vorsatz fürs nächste Jahr mitzunehmen.  So können Sie sich nicht nur aktiv an der Energiewende in Ihrer Region beteiligen. Eine höhere Energieeffizienz spart auch noch Kosten und schont die Umwelt.

Gewusst wie. Unsere 6 Energieavantgarde- Klimaschutz-Tipps für Sie:

  1.      Achtsamkeit beim Heizen: Vermeiden Sie es Ihre Wohnräume zu überheizen. Das verschwendet Energie und verursacht unnötige Kosten. Wenn Sie die Raumtemperatur in Ihrer Wohnung um 1°C absenken, spart das im Jahr bis zu 360 kg CO2.
  1.      Öfter mal den Stecker ziehen:  Setzen Sie im Haushalt auf energieeffiziente Geräte und schalten Sie Ihre Geräte aus, sofern Sie diese nicht nutzen.
  1.     Beleuchtung ja, Verschwendung nein: Beleuchten Sie nur bei Bedarf und setzen Sie auf sparsame, moderne LED Beleuchtung. Nicht nur in den Einzelhaushalten, auch auf kommunaler Ebene gibt es große Einsparpotenziale. Die Stadt Zörbig aus dem Landkreis Anhalt-Bitterfeld konnte beispielsweise allein durch eine energieeffiziente Straßenbeleuchtung seit 2015 bereits 4.000 kWh pro Straßenzug einsparen.
  1.     Mobil und klimafreundlich unterwegs: Nehmen Sie öfter mal die Bahn oder das Fahrrad. Das ist in der Region Anhalt nun noch einfacher, denn seit dem Winterfahrplan 2015/16 wird nun das Mitteldeutsche S-Bahnnetz umgesetzt. Von Dessau über Bitterfeld erreicht man seit dem 15.12.2015 Leipzig im Stundentakt mit der neuen Linie S 2. https://www.bahn.de/regional/view/regionen/sanhalt/spezial3/mitteldeutsches_shtml
  1.      Regionales Reisen: Besuchen Sie nahegelegene Ausflugsorte in der Region, denn Flugzeug und Auto sind echte Energiefresser. Die Webseite der WelterbeRegion Anhalt Dessau Wittenberg zeigt die besten Reiseziele und Reiseanlässe. https://www.anhalt-dessau-wittenberg.de Und die Dessau-Wörlitzer Eisenbahn verbindet ab Saisonstart im März 2016 wieder einige der Welterbestätten. Hier geht es zum Fahrplan: https://www.dvg-dessau.de/v1/index.php?article_id=21
  1.      Umweltbewusst feiern: Besuchen Sie klimafreundliche Festivals wie beispielsweise das Melt! auf Ferropolis, wo die Veranstalter in Kooperation mit der Green Music Initiative besonderen Wert auf eine klimafreundliche Festivalgestaltung legen.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

TAG 65: Paris – Zschornewitz

Weniger als 1000 Kilometer voneinander entfernt fanden am 12.12.2015 zwei Veranstaltungen statt, die so wenig und doch so viel miteinander zu tun haben:

In Paris fanden die Staaten der Welt den Kompromiss: es gibt nun einen Weltklimavertrag. 1,5 bis 2 Grad Celsius als Ziel. Also das Ende der Verbrennung fossiler Energien.

Zeitgleich im Ortsteil Zschornewitz (heute Stadt Gräfenhainichen): 100 Jahre Netzschaltung Kraftwerk Zschornewitz. Vor 100 Jahren das weltgrößte Braunkohlekraftwerk. Stillgelegt seit 1992. Nun, 100 Jahre nach dem Eintritt in das Zeitalter der großindustriellen Verstromung der Braunkohle, treffen sich in einer Feierstunden in den gut erhaltenen Relikten des Kraftwerks die ehemaligen Kraftwerker und Bergleute. Der Ministerpräsident Sachsen-Anhalts ist dabei. Von den Energieunternehmen, die lange von der Kohle profitierten und heute das denkmalgeschützte Kraftwerk so schnell wie möglich vom Besucherverkehr abschließen wollen, ist niemand der Leitungsebene dabei.

Die ehemaligen Kraftwerker sind enttäuscht: nicht von den Ergebnissen des Weltklimagipfels, der das Ende “ihrer” Technologie vereinbart, sondern von der Verantwortungslosigkeit der Nutznießenden. 100 Jahre von Zschornewitz bis Paris, Anfang und Ende der Idee des Kohlezeitalters im industriellen Maßstab, müssen im Sinne der Energiewende eigentlich erklärt werden. Das ehemalige Kraftwerk Zschornewitz ist dafür ein geeigneter Ort. Partner sind dafür notwendig, aber gerade nicht die respektlose Ignoranz gegenüber der fossilen Energiegewinnung. Dieses Jahrhundert, das auch von Zschornewitz ausgehend Welt(kriegs)Geschichte schrieb, ist beendet. Die Zukunft der Transformation wird nicht einfacher. Da hilft es, sich ab und an zu erinnern, wie spannend und schwierig auch die Energievergangenheit war.

Zschornewitz soll Zukunftsort werden, dafür gab es den Applaus der Kraftwerker und der Bergleute. Anderes außer einer besseren Zukunft haben sie nie gewollt.

 

TAG 64: Prosumentenforschung

Es entsteht mehr und mehr ein Bild: Am Freitag, 11.12.15, trafen sich im WZB auf dem EUREF-CAMPUS in Berlin die Forscher Matti Große (TU Berlin und Humboldt-Institut für Internet und Gesellschaft HIIG), Prof. Dr. Hendrik Send (HIIG und Hochschule Anhalt) und Dr. Weert Canzler (WZB und Leibniz-Forschungsgemeinschaft) mit der Energieavantgarde Anhalt.

Die Energieavantgarde Anhalt wird in das regionale Energiesystem die Innovationen der Technik wie die Neuerungen der sozialen Beziehungen integrieren. Das neue Energiesystem wird auf diesen Veränderungen aufbauen. Daher wollen wir gemeinsam forschen:

Wer ist der Prosument? Welche Beteiligung aller Bürger an den Energiesystemen der Zukunft ist möglich, wenn diese BürgerInnen mehr als KundInnen sind und sein wollen? Wollen aber alle bis in die technischen Details eines Energiesystems vordringen? Eher nicht: für viele sind Strom, Wärme und Mobilität alltäglich vorhandene Leistungen, die einfach “da” sind.

In einer Kombination aus aktiver Beteiligung an der Energiewende (“action research”) und der forschenden wie teilnehmenden Beobachtung werden Hochschulen und Forschungsinstitute mit der Energieavantgarde Anhalt und den BürgerInnen der Region auf völlig neue Art und Weise zusammenarbeiten. Forschung braucht Energie. Energie braucht Forschung. Das ist unsere Gemeinschaftsaufgabe. Die Hochschule Anhalt, weitere Forschungseinrichtungen und Universitäten und die Leibniz-Forschungsgemeinschaft wollen daher in der regionalen Energiewende kooperieren, um zu Lösungen zu kommen, die vor Ort überzeugen, weil sie vor Ort und mit den realen Gegebenheiten entwickelt wurden.

Der nächste Schritt wurde am Freitag vereinbart: gemeinsam will man sich um Projekte bewerben, die die Energiewende vor Ort voranbringen – zum Vorteil aller Unternehmen und Haushalte im “Reallabor Anhalt”, dem Reallabor der Energiewende vor Ort.

P.S. Ein Reallabor oder living lab ist was?

Wikipedia schreibt: “A living lab is a research concept. A living lab is a user-centred, open-innovation ecosystem, often operating in a territorial context (e.g. city, agglomeration, region), integrating concurrent research and innovation processes within a public-private-people partnership.”

TAG 63: Mobilität und Vernetzung

Am 10.12.2015 lud die Metropolregion Mitteldeutschland ein zur Konferenz “Mobilität der Zukunft in Mitteldeutschland”. 150 Teilnehmer trafen sich an geschichtsträchtigem Ort, dem Technik-Museum Hugo Junkers in Dessau. Unter der restaurierten JU 52 wurde der “integrierte Regionalverkehr für die gesamte Region” gefordert. Und die Zukunftsbedeutung der Integration von Mobilitäts- und Informationstechnologien beschrieben, natürlich auf Basis regenerativ gewonnenen Stroms oder Wasserstoffs.

Dr. Andreas Knie, Leiter des Forschungsverbundes InnoZ und Partner der Energieavantgarde Anhalt, machte in seinem Leitvortrag die Herausforderungen deutlich: Mit der Kombination von Elektromobilität, Carsharing, Digitalisierung und intelligenten Stromnetzen werde das Auto als individuelles Statussymbol und Markenprodukt in absehbarer Zukunft abgelöst durch flexible, jederzeit und einfach verfügbare Mobilitätsdienstleistungen.”

Diese Mobilitätsangebote werden nicht mehr im Auto vor der Tür, das von A nach B gefahren wird, bestehen, sondern in den sogenannten “intermodalen Mobilitätslösungen”. Im Alltag werden viele Fahrten auf nur wenigen Kilometern zurückgelegt: hier konkurrieren zukünftig E-Auto, Fahrrad, andere E-Mobile. Je nach Wetter, Trainingsrückstand und Laune wird der Einzelne entscheiden. Für Pendler bietet die Kombination aus mehreren Verkehrsmitteln den per Mobiltelefon den schnell organisierten besten, schnellsten, kostengünstigsten Weg an. Das (selbstfahrende?) E-Mobil holt den Reisenden vor der Haustür ab und bringt uns zum nächsten Bahnhof, um von dort schnell und reibungslos über weite Strecken zum Zielort zu kommen, wo wiederum das E-Bike, Segway, E-Mobil wartet.

Wenn das alles zu unserem Wohl, zum Wohl der Umwelt und zu wirtschaftlich Sinnvollem verbunden wird, ist das Netz des öffentlichen Schienennahverkehrs (nicht nur) im mitteldeutschen Raum von entscheidender Bedeutung. Hier stellt die Metropolregion Mitteldeutschland gerade die entscheidenden Weichen: “Angesichts seiner zentralen Rolle für die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Standortes müssen alle beteiligten Akteure in einen intensiven Dialog treten, um gemeinsam neue Ansätze für eine moderne, umweltfreundliche und finanzierbare Mobilität zu entwickeln.“ (Jörn-Heinrich Tobaben, Geschäftsführer der Metropolregion Mitteldeutschland Management GmbH)

Die Integration der Themen Energiewende und Mobilitätswende wird also zur mitteldeutschen Metropolmarke.