TAG 62: Internet der Energie

Im Rahmen des Forschungsprogramms Schaufenster Intelligente Energie – Digitale Agenda für die Energiewende SINTEG des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie wurden die teilnehmenden Konsortien ausgewählt. Ein Verbund der ostdeutschen Unternehmen, Stromversorger, Netzbetreiber und einer Vielzahl an Forschungseinrichtungen WindNODE ist eines der fünf “Schaufenster”, die nun die Intelligente Energie der Zukunft weiter erforschen sollen. www.windnode.de

Die Energieavantgarde Anhalt ist assoziierter Partner dieses WindNODE-Verbundes. Dieser Verbund umfasst den gesamten Nordosten Deutschlands, das Versorgungsgebiet des Übertragungsnetzbetreibers 50 hertz. Entsprechend groß ist die Zahl der Partner, der Unternehmen aus der Energie- wie der Informations- und Kommunikationstechnologie, der Industrieunternehmen und der Forschungspartner.

Die Erwartung: durch diese Betrachtung eines Verbundes vieler Regionen, die ein Übertragungsnetz teilen, werden neue Lösungen zur Regionalisierung und zur Kooperation vieler Partner gefunden werden. Denn die Energiezukunft ist dezentral. Aber nicht unabhängig von Netzpartnern. Wie dies zukünftig zu organisieren sein wird, wie also die Sonnenenergie von Frau Meier in Bitterfeld mit der Windenergie von Herrn Müller in der Prignitz in ein Systemganzes eingeht, so dass Frau Meier ihren E-Up startet, wenn die Sonne gerade nicht scheint, und Herr Müller gleichzeitig die Waschmaschine starten kann, obwohl der Wind gerade nicht weht, das wird WindNODE erforschen und erproben. Lesen Sie mehr auf der WindNode-Webseite: “Der Erfolg der Energiewende hängt davon ab, dass Erzeugung und Verbrauch permanent optimal aufeinander abgestimmt werden. Das geht nur durch eine umfassende intelligente Vernetzung, bei der alle Systemteilnehmer über ein ‘Internet der Energie’ in annähernd Echtzeit miteinander kommunizieren.”

TAG 61: Regionaler Bilanzkreis?

Am 8.12.2015 hat eine Werkstatt auf Einladung des Ministeriums für Wirtschaft und Wissenschaft des Landes Sachsen-Anhalt und der Energieavantgarde Anhalt getagt. In der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin wurde unter Mitwirkung der StS Dr. Tamara Zieschang und vielen weiteren Beteiligten debattiert, ob ein Regionaler Bilanzkreis, also letztlich ein Regionales Energiesystem, die Zukunft regenerativer  Energielandschaften entscheidend beeinflussen kann.

Das Ergebnis: Bilanzkreise sind Instrumente, die ihre derzeitige Funktion gut erfüllen. Die regionale Ebene ist dafür nicht wesentlich. Um aber Ziele der Energie-Erneuerung vor Ort umzusetzen, können die Kriterien an das Bilanzkreismanagement erweitert werden: Darin sehen die Energieversorger und auch Verteilnetzbetreiber ebenso Chancen wie die Übertragungsnetzbetreiber.

Auch die Prosumenten der Zukunft können und müssen in diesen regionalen “Balancekreise” eingebunden werden.

Die Werkstatt hat einhellig die Erwartung geäußert, dass im Reallabor Energieavantgarde Anhalt die Möglichkeiten der regionalen Balance konkret errechnet werden. Eine Modellierung des regionalen Energiesystems soll dabei – anders als das jetzige Bilanzkreismanagement – nicht nur Strom, sondern auch Wärme und Mobilität einbeziehen, aber auch Ziele wie Klimaschutz etc. abbilden.

Eine Arbeitsgruppe aus Energieavantgarde, Energieversorgern, wiss. Einrichtungen, BürgerInnen, Prosumenten wird nun das konkrete Anforderungsprofil bestimmen. StartUps aus dem Bereich IKT stehen für gute Lösungen bereit, ebenso die Stadtwerke und Energieversorger. Allerdings besteht die Anforderung an die Modellierungen darin, das stabile regionale System auch wirtschaftlich für eine Post-EEG-Phase nachzuweisen.

Das Reallabor hat eine rechnerische und auch inhaltlich komplizierte Aufgabe vor sich: worin liegt der Vorteil der Vernetzung im dezentralen, postfossilen Zeitalter, ganz konkret, für alle Beteiligten mit ihren unterschiedlichen Interessen?

Alle Beteiligten der Werkstatt, also Stadtwerke, Energieversorger, Netzbetreiber, Forscher, Skeptiker, Organisatoren der Energiewende haben dieser Aufgabe: Modelliere das Energiesystem der Zukunft, also ein Energiesystem unter vielen möglichen, unter Integration der Wärme und der Mobilität   nun zugestimmt. Wir machen uns auf den Weg, Partner sind gerne gesehen.

 

TAG 60: Zukunft der Mobilität

Schon heute hat der Verkehr einen Anteil von einem Viertel an den Treibhausgasemissionen, Tendenz steigend. Der Verkehr ist der Sektor, der bisher am wenigsten zur Minderung der klimarelevanten CO2-Emissionen beiträgt. Nehmen wir das Ziel ernst, die durchschnittliche Temperatur auf der Erde nicht stärker als 2 Grad steigen lassen zu wollen, muss der Verkehr in den nächsten Jahrzehnten seine Energiebasis wechseln. Auch wenn es derzeit gar nicht so aussieht: der Megatrend im Verkehr heißt Dekarbonisierung. Und die entscheidende Frage lautet: Wie kann oder muss eine Transformation des Verkehrs in eine postfossile Zukunft aussehen?

Wenn es ein „weiter-so“ weder in der expansiven Motorisierung noch in der Dominanz des Universalautokonzeptes geben kann, bedeutet die Zukunft des Autos: neue Antriebe, kleine, leichte Fahrzeuge und eine stärkere kollektive Nutzung. Das bedeutet nicht zuletzt, dass Autos viel stärker als heute einfach gemietet werden, sie sind dann „intermodal“ mit den anderen Verkehrsmitteln verknüpft. Es gibt Hinweise darauf, dass sich die symbolische Bedeutung des Automobils gewandelt und das Auto seinen Nimbus des Exklusiven verloren hat. Zwar gelten – insbesondere in den aufstrebenden Mittel- und Oberschichten der Länder mit nachholender Modernisierung – Luxuskarossen und Dienstwagen vielfach noch als Prestigeobjekte, ihre Nutzer setzen nach wie vor auf demonstrativen Konsum. Aber mittlerweile hat das Auto gerade in seiner Funktion als Statussymbol Konkurrenz bekommen. Vor allem in jüngeren Generationen und in urbanen Mittelschichten der früh industrialisierten Gesellschaften hat das Auto signifikant sowohl an Symbolkraft als auch an tatsächlicher Bedeutung für die Alltagsmobilität verloren. Hier stehen vielmehr vielfältige Verkehrsoptionen, abwechslungsreiche Freizeitmöglichkeiten und mobile Gerätschaften wie Smartphones oder Laptops im Vordergrund. In den Metropolen nimmt die „intelligente Nutzung“ von Verkehrsangeboten, also die Verknüpfung aller verfügbaren Verkehrsarten aus ganz pragmatischen Motiven, und des Car- und Bikesharings deutlich zu.

Das Elektroauto als vernetztes Auto: Öffentliche Elektroautos stehen auf öffentlichen Parkplätzen und überall an den Knotenpunkten des Öffentlichen Verkehrs bereit. Digitale Carsharing-Technologie erlaubt einen einfachen Zugang mit einem Smartphone, die Autos können ohne Vorbuchung direkt genutzt und an jedem anderen freien Parkplatz wieder abgestellt werden. Ist der Ladezustand der Batterie kritisch, bleibt das Fahrzeug gesperrt, die maximale Buchungszeit ist sowieso begrenzt. So ist eine breite Verfügbarkeit gegeben. Mehr noch: In einer Welt der kompletten Versorgung durch regenerative Energien sind E-Autos Teil eines „Smart Grid“.

Die Transformation des Verkehrs wird turbulent, aber unvermeidlich. Trotz aller Konflikte und etlicher Verlierer in der Transformation hin zu einem vernetzten, postfossilen Verkehr gibt es auch eine Fülle von Chancen und eine Reihe potenzieller Gewinner. Dazu gehören neben den schonenden nicht-motorisierten Verkehrsmitteln vor allem die Dienstleister für die neuen intermodalen Angebote. Einige Branchen profitieren besonders, nämlich diejenigen, die sich von den Zwängen des fossilen Verkehrs schnell und konsequent gelöst haben oder nie in ihnen gefangen waren.

Ausführlicher: Canzler, Weert (2015): “Zukunft der Mobilität. An der Dekarbonisierung kommt niemand vorbei”. In: Aus Politik und Zeitgeschichte – Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, Jg. 65, H. 31-32, S. 19-25.  https://www.bpb.de/apuz/209960/zukunft-der-mobilitaet-an-der-dekarbonisierung-kommt-niemand-vorbei?p=all

 

Weert Canzler

TAG 43: Regionaler Bilanzkreis?

Welche Vorteile hätte es, wenn Energie, also Strom, Wärme, aber auch Mobilität, regional bewirtschaftet werden könnten? Wenn also Energiedargebot und Energienutzung auf regionaler Ebene ausgeglichen werden könnten?

Weniger Aufwand für den Ausbau der Übertragungsnetze? Dies ist die wahrscheinlichste Antwort. Doch hätte dies Auswirkungen auf den Strompreis, der ja einen Anteil für die Betreibung und den Ausbau der Netze enthält?

Würde eine regionale Bewirtschaftung die Versorgungssicherheit gefährden? Oder ließen sich auf regionaler Ebene Ziele der zukünftigen Strom- und Energieumwandlung wie beispielsweise Ziele des Klimaschutzes besser verhandeln?

Und wer würde einen solchen regionalen Bilanzkreis bewirtschaften, wer wären die Prosumenten der Zukunft?

Was spricht für, was spricht gegen einen regionalen Bilanzkreis? Welche Hindernisse stehen einer solchen Regionalisierung der Energiewende im Wege? Im Dezember wird die Energieavantgarde Anhalt in zwei Werkstätten dieser Frage nachgehen. Die Werkstatt zum Regionalen Bilanzkreis wird gemeinsam mit dem Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft des Landes Sachsen-Anhalt veranstaltet.

Tag 42: Energieavantgarde wird international beforscht

Das Interesse an der Energieavantgarde Anhalt steigt auch auf internationaler Ebene. Gestern besuchten Forscher aus Australien, England, China und Deutschland die Energieavantgarde Geschäftsstelle auf Ferropolis. Die Forscher zeigten sich von dem innovativen Reallabor-Ansatz begeistert.

Zu Gast waren:
– Dr. Shan-Ling Pan – Professor der School of Information Systems, Technology and Management, UNSW Business School/ Sydney, Australien
– M. N. Ravishankar – Professor of Globalization and Emerging Marketing/ Loughborough University Leicestershire, UK
-Wenyu Du – Assistant Professor am Department of Management Science and Engineering, Renmin University of China/ Beijing, China
– Prof. Dr. Hendrik Send – Professor Internetbasierte Innovation, Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft/ Berlin, Deutschland
Matti Grosse – Wissenschaftlicher Mitarbeiter Internetbasierte Innovation, Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft/ Berlin, Deutschland

 

TAG 41: Energieavantgarde Anhalt meets IHK

Am 17.11.2015 stellte sich die Energieavantgarde Anhalt den Fragen des Energiepolitischen Arbeitskreises der IHK Halle-Dessau.

Eingebettet in Vorträge zu konkreten Perspektiven der Stadtwerke Dessau DVV (Thomas Zänger) und zu Aktuellem aus der Energiepolitik (Dr. Sebastian Bolay, DIHK) fand der Vortrag der Energieavantgarde Anhalt einen diskussionsfreudigen Teilnehmerkreis. Im Energiepolitischen Arbeitskreis sind Chemieindustrie, Netzbetreiber, Stadtwerke, Verkehrsunternehmen, Betriebe, Bergbaukonzerne und IHK-Hauptamt vertreten. Ein Kreis also, der sehr konkrete Vorstellungen und auch Kritikpunkte zum Thema Energiewende hat.

Vier Punkte der gemeinsamen Diskussion sind besonders relevant:

Aus Sicht der Unternehmen in Sachsen-Anhalt wurde zumindest die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines einheitlichen Marktgebietes Deutschland-Österreich aufgeworfen. Natürlich spricht alles für ein solches einheitliches Marktgebiet in Deutschland, aber wirklich alles? Netzentgelte belasten die Unternehmen in Regionen Sachsen-Anhalts mit hohem Anteil regenerativer Energien heute erheblich. Die durch Dr. Bolay aufgezeigten weiteren zu erwartenden Umlagekosten (vor allem Redispatch, aber auch EEG-Umlage, Netzausbau etc.) machten allen Anwesenden deutliche Sorgenfalten.

Warum findet sich von den angekündigten Beseitigungen von Hemmnissen der Flexibilisierung in den aktuellen Gesetzentwurf zum Strommarkt 2.0 so wenig wieder?

Wie sollen Investitionen bei häufigen Änderungen der Regularien (Beispiel KWK) sinnvoll getätigt werden? Verlässlichkeit ist gefordert, aber schwierig in einem beständigen Anpassungsprozess.

Steigert die heutige Energiepolitik sogar die Anreize für Unternehmen, sich um die Eigenversorgung / Autarkie zu bemühen? Also die Abkopplungen vom Netz? Wer trägt dann noch die Netzkosten? Der Rest der Netzkunden? Können Stadtwerke und andere Netzbetreiber auf dieser Basis ihre Existenz sichern? Oder muss mit Zwangsnetzabgaben für alle das energiewirtschaftliche Gesamtsystem aufrecht erhalten werden?  Und der Eigenerzeugung, dem Eigenverbrauch entgegengewirkt werden?

Deutlich wurde, wie schwierig es ist, ein stabiles Energiesystem der Vergangenheit und Gegenwart in eine postfossile Zukunft zu übertragen, die neuen Bedingungen unterliegt. Niedrige Grenzkosten für Energie aus Wind und Sonne, Preissignale, Umlagen für die Netz- und Systemstabilität – wie kann das zukünftig zusammenpassen? Am Tisch des Arbeitskreises Energiepolitik war die Kritik an der gegenwärtigen Energiepolitik Konsens, aber in der Zielstellung unterscheiden sich die Akteure deutlich. Liberalisierung = Dezentralisierung = (Teil)Autarkie? Netzkoppelung oder Entkoppelung? Oder das Energiesystem (Stabilität) als steuerfinanziertes Backup, als gesellschaftliche Sicherheitsreserve? Wie viel Markt verträgt das Energiesystem, wie viel Energiesicherheit verträgt der Markt?

Fragen auch an das Reallabor Energieavantgarde Anhalt.

 

 

 

 

 

TAG 39: Mammut Speicher

Am 2.11.2015 stellte uns der Ingenieur Frebel seine erneut verbesserte Version des Mammut-Speichers vor. Ein Fluid-Speicher, der großartige Wirkungsgarde und hohe Einsatzflexibilität verbindet. Da Konzept erscheint ausgereift, es fehlt ein Prototyp. Einsatzfelder sind vielfältig, im Regelenergiemarkt wie für das PeakShaving denkbar, aber auch als Notstromversorgung und vieles mehr.

Wie aber kommt ein Erfinder heute zur Möglichkeit, ein Prototyping zu entwickeln?

Es gibt für die Energieavantgarde immer wieder solche Kontakte. Gerne möchten Erfinder und Entwickler hier in der Region Anhalt Prototypen erproben oder Testanwendungen zeigen. Daher haben wir das Handlungsfeld Innovation zu einem unser drei wichtigsten Handlungsfelder erklärt. Denn wir wissen noch keineswegs, auf welcher technologischen Zukunft ein Energiesystem von morgen wirklich basieren wird.

Wir suchen: Partner für Experimente.

TAG 38: Wir finden Unterstützung? Nein: wir finden Partnerschaft!

Die Haleakala-Stiftung, vertreten durch die GLS Treuhand, unterstützt die Energieavantgarde Anhalt. Bescheid und Zuwendung kamen heute an. Damit hat die Energieavantgarde Anhalt e.V. nun neben dem Partner RWE Stiftung für Energie und Gesellschaft eine weitere Stiftung begeistern können.

Die Bedeutung der Stiftungen für den Transformationsprozess Energiewende ist damit nochmals deutlich unterstrichen. Nur mit dieser Unterstützung können wir im Reallabor Energieavantgarde die Transformationsprozesse grundsätzlicher erforschen und erproben.

Denn es geht nicht allein darum, ein neues regionales Produkt regionalen und regenerativen Stroms zu etablieren, sondern das System insgesamt neu aufzustellen. Welche Kriterien der regionalen Potenziale (und Lastgrenzen) sind dafür zwingend? Lässt sich ein regionaler Bilanzkreis entwickeln, der Transparenz und regionale Steuerfähigkeit des Energiesystems ermöglicht? Welche Vorteile bringt das für den Prosumenten / Verzeuger (so nennt “Grundgrün” die neuartigen Marktteilnehmer)?

Komplexe Fragen dieser Art lassen sich nur ohne die  Dominanz ummittelbarer Interessen der bisherigen und zukünftigen Marktteilnehmer umfassend untersuchen. Das macht die Unterstützung von Stiftungen für die Energieavantgarde so wichtig.

TAG 37: Wärmewende

SMENOS-Werkstatt (Smart Energy Ostdeutschland) am Donnerstag, 12.11.15 im Gründerzentrum Spreeknie in Berlin: Viele zukünftige Praxisanwendungen werden diskutiert. Der Container, der sich dank seines Solardaches selbst kühlt, also die Ware im Container natürlich, oder das Schwimmbad als Wärmespeicher.

Vor allem aber geht es um strategische Kooperationen. Das Thema des Tages: Das Quartier – integriert, regenerativ, eine dezentrale Einheit. Städtebauer aufgepasst. Technisch und wirtschaftlich ist der Maßstab des Quartiers, der Nachbarschaft der geeignete, um Innovationen in der Verbindung aus Strom- und Wärmeversorgung umzusetzen.

Überhaupt Strom und Wärme: gerade diese Kombination verspricht noch viele zu hebende Effizienzvorteile. Mal ist regenerativ erzeugter Strom im Überfluss im Netz, warum diesen Strom nicht als Wärme speichern (power to heat)? Mal ist Wärme, also Abwärme nutzbar. Und Fernwärme kann heute durch regenerative Umwandlungen gestützt werden. Mal können Wärme- und Kälteerzeugung Netze stabilisieren helfen. Und die kühnsten der Physiker sprechen sogar schon wieder von thermoelektrischen Generatoren, also Strom, der aus Wärme entsteht.

Physikalisch faszinierend, technisch machbar, aber auch wirtschaftlich?

Die Energieavantgarde wird an mehreren Quartiers- und Industrieprojekten diese Frage der Konvergenzmärkte Strom und Wärme untersuchen.

TAG 19: Erneuerbare Energien und Tourismus – Chance oder Fluch für die Region Anhalt?

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Der Weg hin zu einer nachhaltigen Energie- und Stromversorgung stellt eine große Herausforderung für alle Beteiligten dar. Vielerorts gibt es die Befürchtung, dass durch die Erneuerbare Energien Anlagen, vor allem durch Windparks, zukünftig Touristen ausbleiben werden. Verändern doch die dreiarmigen Windwächter den Landschaftsraum in hohem Maße und besprenkeln purpurgrüne Wiesenlandschaften auf ungewohnte Art und Weise mit neuster Technik – so eine weit verbreitete Annahme. Die Auswirkungen der Energiewende auf Natur- und Kulturlandschaften und den Tourismus sind groß – keine Frage. Und potenzielle Risiken bei der Raumplanung zu berücksichtigen und vor allem Lösungen für die Ängste der Bevölkerung zu finden und die Region miteinzubeziehen, das ist uns, als Energieavantgarde Anhalt e.V., ein besonders wichtiges Anliegen.

Deshalb haben wir uns Gedanken dazu gemacht, wie wir die Energiewende als Hebel nutzen können, um mit Hilfe des Tourismus die regionale Wertschöpfung anzukurbeln und Hand in Hand mit dem Tourismus die Weichen für zukunftsträchtige Investitionen in der Region zu stellen. Schließlich kann eine florierende Tourismussparte einen wichtigen Wirtschaftsfaktor in der Region darstellen und viele Arbeitsplätze schaffen. Wie also einen umwelt- und naturverträglichen Tourismus und Erneuerbare Energien unter einen Hut bringen, um so möglichst viele deutsche und internationale Reisefans für die Region Anhalt zu gewinnen?

Ein Schlüsselkonzept stellt in diesem Zusammenhang der Energietourismus dar – Eine Nische, die in den vergangenen Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnt. So gibt es in Deutschland vermehrt Reisende, die sich für naturnahes Reisen und erneuerbare Energien in der Bundesrepublik begeistern und vom Windpark an der Küste bis zur regenerativ versorgten Wanderhütte in den Alpen gerne Erneuerbare Energien erleben.

Baedeker hat für diesen Bedarf bereits einen eigenen Reiseführer entwickelt, der neben interessanten Informationen zu den erneuerbaren Energien auch länderübergreifende Energie-Touren zu ausgewählten Projekten bietet: Energie-Touren, Energielehrpfade, Energie-Erlebnis-Parke – eine vielseitige Zusammenstellung aus umwelt- und sozialverträglichen Reisetipps, die sich hervorragend mit Radfahren und Wandern verknüpfen lässt. Auch gibt es eine Internationale Energieschaustraße Europas, die als Vorzeigeprojekt im Bereich Bewusstseinsbildung im Erneuerbare Energien Sektor gilt.

Die Region Anhalt baut auf einer langjährigen Industrie- und Bau-Tradition auf und galt nicht nur im Bereich Braunkohle viele Jahrzehnte als besonders fortschrittlich, sondern war auch Wirk- und Schaffensort bekannter Bauhausmeister. Außerdem lockt Wittenberg als Lutherstadt Jahr für Jahr Touristen aus aller Welt an. Darüber hinaus lädt bereits heute ein sogenannter KOHLE | DAMPF | LICHT | SEEN – Erlebnispfad auf gut ausgeschilderten 120 Kilometern dazu ein, touristisch hochinteressante Erholungslandschaften zusammen mit einmaligen Zeugnissen der Industriegeschichte zu erleben.

Warum also die Erneuerbare Energien für die Tourismusregion Anhalt verfluchen, wenn sich die Erneuerbare Energien auch als Chance für die Region nutzen lassen, um sich einen internationalen Ruf in dem Bereich zu erwerben? Beispielsweise in Form von repräsentativen Energie-Schau-Plätzen, Erneuerbare-Energien-Parks oder einer eigenen Energie-Route Anhalt?  Dadurch kann nicht nur das Wissen zum Thema Erneuerbare in der breiten Öffentlichkeit verbreitet werden, auch kann eine breite Akzeptanz für erneuerbare Energien geschaffen werden- und das ist wichtig, denn wer aktiv und gut informiert ist, der ist mit Begeisterung dabei.

Demnächst finden erste Gespräche der Energieavantgarde Anhalt mit dem Tourismusverband Anhalt-Dessau-Wittenberg statt. Im Fokus der Gespräche wird der Energietourismus als Symbiose von Erneuerbare Energien und Tourismus stehen. Uns stark machen für die Energiewende und gleichzeitig den Tourismus vorantreiben – das erfordert innovative, avantgardistische Konzepte und die Partizipation der Bevölkerung.

Denkbar ist beispielsweise die Schaffung eines Energieparks oder einer Energieroute mit Führungen, wo unter anderem die Vor- und Nachteil der erneuerbaren Energien (Windkraft, Photovoltaik, Biomasse) gruppenspezifisch erklärt werden? Denkbar sind auch Ausflüge mit Elektrofahrzeugen, ein spezielles Infozentrum oder ein allgemeiner Themenpark zum Thema Nachhaltigkeit. Was sind ihre persönlichen Vorstellungen zum Thema Energietourismus in der Region Anhalt? Wie lässt sich in Ihren Augen die regionale touristische Infrastruktur optimal mit den Erneuerbare Energien vernetzen?

Autorin: Barbara Haas